Psychotherapie Drucken
Psychotherapie

Psychotherapie versucht mit Hilfe von Gesprächen zwischen dem Patienten und einem speziell ausgebildeten Therapeuten, den Patienten bei der Bewältigung psychischer und emotionaler Probleme zu unterstützen. Es gibt sehr viele verschiedene Arten von Psychotherapie, die sich in ihrer Zielsetzung, Intensität, Dauer und theoretischen Grundlage unterscheiden.

Wissenschaftlich gut belegt ist die Wirksamkeit dieser Psychotherapieverfahren für die Rehabilitationsphase und die Phasen, in denen die Positiv-Symptomatik weitgehend oder völlig abgeklungen ist. Diese Psychotherapieverfahren können auch dazu beitragen, dass es seltener zu Rückfällen kommt.

Durch die Erkrankung kann es zu einer massiven Verunsicherung kommen und es entstehen viele Fragen, wie z.B.: Wie wirkt sich die Erkrankung auf mein Leben aus? Wie wirkt sie sich auf meine Beziehungen aus? Kann ich alle meine Ziele weiterverfolgen? Ziel einer Psychotherapie kann die Bearbeitung dieser und anderer Fragen sein sowie die  Bewältigung der dadurch entstehenden Probleme.

Bei der Auswahl der Psychotherapiemethode ist es entscheidend, dass die jeweiligen Therapeuten eine ausreichende Erfahrung im Umgang mit Menschen haben, die an Schizophrenie erkrankt sind. Weiters gibt es unabhängig von einer bestimmten Psychotherapieschule Therapieverfahren, welche für die Behandlung der typischen Probleme, die Menschen mit Schizophrenie im Alltag haben, entwickelt wurden. Heute stehen eine Reihe derartiger schizophreniespezifischer Psychotherapieprogramme zur Verfügung, deren Wirkung auch wissenschaftlich nachgewiesen wurde.


Folgende Themen finden in diesen Programmen eine besondere Beachtung:

Störungen des Denkens und der Gefühle:
Im Rahmen der schizophrenen Erkrankung finden sich nach der akuten Phase häufig noch Störungen des Denkens und der Emotionen. Verschiedene Psychotherapieprogramme wurden für die Behandlung dieser Symptome entwickelt (z.B. IPT oder kognitives Training), da deren Verbesserung eine wichtige Voraussetzung für die aktive Mitarbeit des Patienten bei der medikamentösen Behandlung und bei soziotherapeutischen Maßnahmen ist.

Symptombewältigung und Frühwarnsymptome:

Diese Programme unterstützen den Patienten dabei, Symptome wie Wahn oder Halluzinationen bei ungenügendem Ansprechen auf eine medikamentöse Therapie zu bewältigen. Dabei geht es darum, die Auslöser dieser Symptome zu entdecken bzw. die Vermutungen des Patienten über die Ursachen von Halluzinationen bzw. Wahnideen zu bearbeiten. Patienten soll es dadurch möglich werden, entweder Auslöser zu vermeiden bzw. alternative Umgangsweisen mit diesen Symptomen zu erlernen. Weiters ist es für den Patienten entscheidend, seine individuellen Frühwarnzeichen, die einen neuerlichen Rückfall einleiten können, zu erkennen und dementsprechende Maßnahmen setzen zu können.

Soziale Fertigkeiten:
Oft sind soziale Fertigkeiten schon lange vor dem Ausbruch der Erkrankung eingeschränkt. Durch den weiteren Krankheitsverlauf, der mit einem Rückzug von anderen Menschen einhergehen kann, kommt es auch zu einem Verlust der Übungsmöglichkeiten und einem Fehlen von weiteren Lernerfahrungen. Dementsprechende psychotherapeutische Methoden konzentrieren sich auf das Wiedererlangen und Üben von sozialen Fertigkeiten, um eine Begegnung mit anderen Menschen zu erleichtern.

Alltagsfertigkeiten:
Diese Therapiemethoden dienen dazu, eine unabhängige Lebensführung im Alltag zu erreichen und einen persönlichen und gesunden Lebensstil zu erlernen. Dadurch soll eine selbständige Lebensführung gesichert werden. Themen, die besprochen und gemeinsam erarbeitet werden, sind Wohnen, Geldgebarung, Ernährung, persönliche Hygiene, die Benutzung von Verkehrsmitteln und Nutzen von sozialen Einrichtungen.

Stressvermeidung und Stressbewältigung:
Stress ist ein wichtiger Auslöser für eine schizophrene Erkrankung. Psychotherapeutische Hilfen konzentrieren sich einerseits darauf, wie Stress vermieden oder eine sinnvolle Stressbewältigung erlernt werden kann. Auch das Erlernen verschiedener Entspannungsverfahren kann eine Stressreduktion unterstützen.

Bewältigung familiärer Probleme:

Da Menschen, die an einer Schizophrenie erkranken, häufig noch in ihrer Ursprungsfamilie leben, können sich dadurch eine Reihe von familiären Problemen ergeben. Die Anwendung von problemorientierten Familiengesprächen stellt nicht nur eine Hilfe für die Familie dar, sondern zeigt auch eine positive Auswirkung auf den Krankheitsverlauf des Patienten (siehe Soziotherapie).

Bewältigung des Unverständnisses der Umgebung:
Die Diagnose Schizophrenie stellt sowohl für die erkrankte Person als auch für dessen Familie häufig eine große psychische Belastung dar. In der Öffentlichkeit sind häufig falsche oder abwertende Einstellungen zu finden, sodass mit Unverständnis, Angst oder Ablehnung reagiert wird. (Dafür wird der Begriff „Stigma“ verwendet.) Dies führt dazu, dass viele Patienten eine psychiatrische Hilfe erst gar nicht in Anspruch nehmen wollen oder eine begonnene Therapie unterbrechen. Durch gezielte Information der Betroffenen, ihrer Angehörigen, aber auch der Gesellschaft soll die Wiedereingliederung erleichtert, die Lebensqualität gehoben, sowie die Teilnahme an therapeutischen Angeboten wie auch Selbsthilfegruppen für Betroffene und für Angehörige ermöglicht werden.


Generelle Aspekte:
Auch bei der Gestaltung der Psychotherapie ist es entscheidend, die individuellen Bedürfnisse und Erfordernisse der Betroffenen und ihrer Angehörigen wahrzunehmen und die therapeutischen Angebote dementsprechend zu gestalten. Wie schon erwähnt ist es wichtig, dass die jeweiligen Therapeuten im Umgang mit Menschen, die an einer Schizophrenie leiden, ausgebildet und erfahren sind.

 
< Zurück   Weiter >