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Die folgenden Medikamente kommen zur Anwendung:

Antipsychotika:
Die Medikamente, die für die Behandlung der Schizophrenie-Symptome eingesetzt werden, nennt man Antipsychotika (früher wurde auch der Begriff Neuroleptika verwendet). Durch die medikamentöse Behandlung der Schizophrenie konnte die Prognose wesentlich verbessert werden. Antipsychotika helfen Krankenhausaufenthalte erheblich zu verkürzen und können Basis für eine soziale Integration sein. Oft herrscht in der Öffentlichkeit fälschlicherweise die Meinung, dass Antipsychotika nur dazu dienen, Patienten zu betäuben bzw. gefügig zu machen. Bedenkt man jedoch, dass die Symptome der Erkrankung hauptsächlich auf ein Ungleichgewicht der chemischen Botenstoffe (Neurotransmitter) im Gehirn zurückzuführen sind und mit Hilfe der Antipsychotika diese Neurotransmitterstörung ausgeglichen wird, wird auch die Notwendigkeit einer psychopharmakologischen Therapie verständlich. Wie im Vulnerabiliäts-Stress-Modell beschrieben spielen sowohl psychosoziale (z. B. Stress) als auch biologische Faktoren (z. B. das biochemische Ungleichgewicht im Gehirn) beim Entstehen der Erkrankung ein Rolle, weshalb eine Kombination aus einer pharmakologischen Therapie (z. B. Antipsychotika) und psychotherapeutischen (siehe Psychotherapie) und soziotherapeutischen (siehe Soziotherapie) Maßnahmen erforderlich ist.
Die medikamentöse Therapie ist insbesonders in der akuten Behandlung erfolgreich, wenn es darum geht, die Positivsymptome und teilweise auch die Negativsymptome zu verbessern. Bei ungefähr 85% aller Patienten, die mit Antipsychotika behandelt werden, verbessern sich die Symptome einer ersten Episode wesentlich oder klingen innerhalb eines Jahres ganz ab.

In der medikamentösen Therapie wird zwischen einer akuten und einer länger dauernden Behandlungsphase (= Erhaltungstherapie) unterschieden. Während der akuten Behandlungsphase versucht man mit Hilfe der medikamentösen Therapie die akute psychotische Episode, die häufig durch das Auftreten von Wahnideen, Wahrnehmungsstörungen oder Denkstörungen (siehe Positiv-Symptomatik) gekennzeichnet ist, zu beenden. Um zukünftige psychotische Episoden zu verhindern, ist es jedoch notwendig, eine länger dauernde Behandlungsphase anzuschließen. In dieser Phase der Erhaltungstherapie ist es möglich, dass sich Patienten vollkommen gesund fühlen, es ist aber auch möglich, dass Patienten weiterhin anhaltende Symptome haben. Die Behandlungsrichtlinien empfehlen, eine Erhaltungstherapie für mindestens 1 bis 2 Jahre nach dem Abklingen der Symptome einer ersten Episode beizubehalten. Nach dem Abklingen von Symptomen einer zweiten oder weiteren Episode wird eine mindestens 5-jährige Erhaltungstherapie empfohlen.

Nach Beginn der antipsychotischen Therapie dauert es ca. 3 bis 4 Wochen, bis eine Verbesserung der Symptomatik eintritt. Weiters ist es möglich, dass das erste Antipsychotikum nicht zum gewünschten Erfolg führt, sodass ein Wechsel der Therapie erforderlich ist, um für jede Person ein optimales Verhältnis von maximaler Wirkung und minimalen Nebenwirkungen zu erzielen.

Gegenwärtig sind 20 bis 30 Antipsychotika in Verwendung, die in 2 Gruppen eingeteilt werden können: Antipsychotika der 1. Generation (auch als „typische Antipsychotika“ bezeichnet) und Antipsychotika der 2. Generation bzw. der neuen Generation (auch als „atypische Antipsychotika“ bezeichnet).

Der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Gruppen von Antipsychotika besteht einerseits im Auftreten von Nebenwirkungen und andererseits in ihrer Wirksamkeit gegen Negativsymptome. Während bei einer Therapie mit Antipsychotika der 1. Generation extrapyramidalmotorische Nebenwirkungen (z. B. Zittern, Ruhelosigkeit, Muskelsteifheit) häufig vorkommen, werden diese Nebenwirkungen bei Antipsychotika der 2. Generation nur sehr selten beobachtet. Für Antipsychotika der 2. Generation konnte auch eine bessere Beeinflussung der Negativsymptome nachgewiesen werden.

Da während einer Therapie mit Medikamenten Nebenwirkungen auftreten können, sollte eine regelmäßige ärztliche Kontrolle durchgeführt werden, um bei Auftreten von Nebenwirkungen gemeinsam mit dem Patienten eine Nutzen-Risiko-Beurteilung durchzuführen.

Die am häufigsten auftretenden Nebenwirkungen bei Antipsychotika der 1. Generation sind  extrapyramidalmotorische Nebenwirkungen (z.B. Muskelsteifigkeit, Zittern, Ruhelosigkeit und abnorme unwillkürliche Bewegungen von Gliedmaßen, Zunge, Mund oder Augen). Weiters können bei Antipsychotika der 1. und 2. Generation manchmal Mundtrockenheit, verschwommenes Sehen, Verstopfung, Schläfrigkeit bzw. Müdigkeit, Gewichtszunahme, Stoffwechselstörungen (Diabetes mellitus, Fettstoffwechsel), hormonelle Probleme (Störungen der Sexualität, unregelmäßige Monatsblutung, Milchfluss), Schwindel, fehlende Motivation, Blutdruckabfall, erhöhte Pulsfrequenz und Abweichungen der Laborwerte beobachtet werden.

Nicht alle Antipsychotika verursachen alle diese Nebenwirkungen. Patienten sprechen nicht nur unterschiedlich auf Antipsychotika an, sondern reagieren auch bezüglich Nebenwirkungen sehr unterschiedlich. Ob und welche Nebenwirkungen auftreten, hängt von vielen Faktoren ab, wie von der Art des Medikamentes, der Dosierung und der individuellen Empfindlichkeit. Manchmal ist es auch schwierig, zwischen Symptomen der Erkrankung und Nebenwirkungen zu unterscheiden (z.B. bei fehlender Motivation). Viele Nebenwirkungen sind zu Beginn der Behandlung stärker ausgeprägt und werden im Verlauf der Therapie besser. Deshalb kann es auch von Vorteil sein, manche Nebenwirkungen in der Akuttherapie in Kauf zu nehmen. Es sollte eine regelmäßige Untersuchung zur Überprüfung der Wirkung, aber auch bezüglich auftretender Nebenwirkungen erfolgen, um mit einer dementsprechenden Anpassung der Medikation eine optimale Therapie zu erzielen. Wie man aus all dem sieht, ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Patient und Arzt von großer Wichtigkeit.

Ziel einer antipsychotischen Behandlung ist es, die Erkrankung mit keinen oder nur wenigen Nebenwirkungen zu kontrollieren und die Lebensqualität zu erhöhen.

Zusammenfassend bedeutet dies, dass eine Therapie mit Antipsychotika bei vielen Patienten zu einer Verbesserung der schizophrenen Symptomatik bzw. zum Verschwinden dieser führt. Eine Langzeitbehandlung mit Antipsychotika reduziert die Rückfallrate von ca. 80% auf 20% im ersten Jahr. Antipsychotika helfen die Funktionstüchtigkeit wiederherzustellen und erleichtern die Rückkehr ins gesellschaftliche Leben.  


Andere Medikamente
Häufig ist es erforderlich zusätzlich zur antipsychotischen Therapie, eine weitere medikamentöse Unterstützung anzubieten. Dies kann erforderlich sein, um auftretende Nebenwirkungen oder um Symptome der Erkrankungen, welche mit Hilfe der Antipsychotika nicht ausreichend verbessert werden können, zu behandeln. Folgende Medikamente werden am häufigsten mit Antipsychotika kombiniert:

Antiparkinsonmittel: Dabei handelt es sich um Medikamente, die zur Behandlung von extrapyramidalmotorischen Nebenwirkungen, die hauptsächlich während einer Therapie mit Antipsychotika der ersten Generation auftreten, eingesetzt werden. Häufig können diese Medikamente nach der Akuttherapie wieder abgesetzt werden.

Antidepressiva: Häufig leiden Menschen mit einer Schizophrenie auch an depressiven Symptomen. Bestehen diese Krankheitszeichen auch nach Abklingen der akuten Symptomatik der Schizophrenie noch weiter, ist es oft erforderlich, zusätzlich auch Antidepressiva zu verordnen.

Anxiolytika / Hypnotika: Diese Medikamente sind angstlösend und oft auch schlaffördernd und werden daher auch Tranquilizer oder Beruhigungsmittel genannt. Da eine akute schizophrene Erkrankung oft von Angst, Unruhe und Schlaflosigkeit begleitet wird, führen diese Medikamenten eine rasche Linderung dieser Symptome herbei. Kommt es durch die Antipsychotika zu einer Linderung der typischen Schizophreniesymptome, verbessern sich meist auch Angst, Unruhe und Schlaf, sodass die Anxiolytika wieder langsam abgesetzt werden können.

Je nach Symptomatik kann auch die Gabe von anderen hier nicht genannten Medikamenten erforderlich sein. Jede Änderung der Therapie oder eine zusätzliche Verordnung eines Medikamentes von einem anderem Arzt sollte besprochen werden, um nachteilige Wechselwirkungen zwischen den Medikamenten oder eine Verschlechterung der Erkrankung zu vermeiden.

Häufig ist es möglich, die genannten zusätzlichen Psychopharmaka wieder abzusetzen und eine alleinige Therapie mit Antipsychotika (= „Monotherapie“) durchzuführen.
 
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