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Schizophrenie und Arbeit

Das Beispiel von Herrn S.:

Nach Abschluss der Handelsschule arbeitete Herr S. in der Personalabteilung einer Versicherung. Die Arbeit machte ihm Spaß und seine Vorgesetzten waren mit ihm zufrieden. Nach einem Jahr hatte er immer wieder das Gefühl, andere Kollegen würden schlecht über ihn reden. Aus diesem Grund passte er besonders auf, was die Kollegen gerade sprachen. Weil er sich so sehr darauf konzentrierte, was die Kollegen redeten, machte er bei seiner eigenen Arbeit immer öfter Fehler und wurde oft nicht rechtzeitig damit fertig. Der Abteilungsleiter sprach deshalb mehrmals mit Herrn S. und sagte ihm, er müsse konzentrierter arbeiten und weniger Fehler machen. Herr S. traute sich nicht, dem Abteilungsleiter zu sagen, dass er den Eindruck habe, die Kollegen würden dauernd schlecht über ihn reden. Als er einige Wochen später einmal einen Aktenordner nicht fand, beschuldigte er eine Kollegin, dass sie seinen Aktenordner versteckt habe. Als der Streit immer lauter wurde, verlangte der Abteilungsleiter, dass er nach Hause gehe. Einige Tage später teilte man ihm mit, dass man mit nicht mehr mit ihm arbeiten wolle und er gekündigt werde.

Nach seiner Kündigung saß er den ganzen Tag nur zu Hause. Zunehmend hatte er den Eindruck, dass auch andere Menschen (z.B. im Supermarkt, die Nachbarn) über ihn reden würden. Seine Mutter drängte ihn, eine Psychotherapie zu beginnen. Der Psychotherapeut sagte ihm aber, dass er unbedingt Medikamente benötigen würde. Herr S. fand das eine Zumutung und lehnte die Einnahme von Medikamenten ab. Er suchte sich daraufhin einen anderen Psychotherapeuten, der ihm aber nach wenigen Therapiesitzungen das Gleiche sagte. Herr S. brach daraufhin die Psychotherapie ab.

In der Folge saß er mehrere Wochen nur zu Hause, weil er sich aus Angst vor anderen Menschen nicht auf die Straße traute. Er hatte auch zunehmend den Eindruck, dass es ihm immer schwerer fiel, sich auf Gespräche mit seinen Eltern und seiner Schwester zu konzentrieren. Die Eltern drängten ihn, mit dem Praktischen Arzt darüber zu reden. Der Praktische Arzt, den er schon lange kannte, erklärte ihm, dass er eine Erkrankung habe, bei welcher der Nervenstoffwechsel nicht richtig funktioniere – das führe zu seinen Konzentrationsproblemen und seiner immer stärker werdenden Angst. Obwohl Herr S. skeptisch war, entschloss er sich nach einem weiteren Gespräch, dem Rat seines Praktischen Arztes zu folgen. Er suchte einen Psychiater auf, der ihm Medikamente gab und ihm erklärte, dass man diese Krankheit „Schizophrenie“ nennt. Der Psychiater erklärte ihm auch, was mit dem Begriff „Schizophrenie“ gemeint ist und was man dagegen tun kann.

Wie der Psychiater Herrn S. gesagt hatte, war er anfangs von den Medikamenten häufig müde, seine Angst wurde aber schon nach einer Woche besser. In den folgenden Wochen wurde langsam die Konzentration besser und Herr S. hatte immer weniger den Eindruck, dass andere über ihn redeten. Er sprach auch regelmäßig mit dem Psychiater über seine Symptome. Auf dessen Empfehlung suchte er dann wieder den Psychotherapeuten auf, bei dem er zuletzt gewesen war. Mit diesem sprach er dann über seine Befürchtungen. Sowohl der Psychiater als auch der Psychotherapeut ermutigten ihn, hin und wieder die Wohnung zu verlassen und etwas zu unternehmen. Sie erarbeiteten mit Herrn S. gemeinsam einen Zeitplan für Aktivitäten („Tagesstruktur“).

Nach drei Monaten waren alle Symptome abgeklungen und Herr S. fühlte sich wieder fast ganz gesund. Sowohl sein Psychiater als auch sein Psychotherapeut waren einverstanden, dass er wieder eine Arbeit suchte. Nach einigen Versuchen fand Herr S. eine Arbeit, die ähnlich wie seine frühere Tätigkeit war. Obwohl er anfangs unsicher war, gelang es ihm rasch, sich wieder einzuarbeiten. Im Laufe der Zeit machte die Arbeit wieder Freude und er verstand sich mit seinen Kollegen.

Seine Medikamente nahm er insgesamt noch ein Jahr lang. Die Psychotherapie führte er in größeren Abständen noch 16 Monate fort. Seine Symptome kamen glücklicherweise nicht mehr wieder und Herr S. hatte keine weiteren Probleme mit der Arbeit.



Dies ist ein Beispiel einer gelungen beruflichen Wiedereingliederung nach einer akuten Phase einer Schizophrenie. Bei einem der Teil der betroffenen Personen, die sehr rasch und gut auf die Behandlung ansprechen, gelingt die Rückkehr ins Arbeitsleben ähnlich problemlos. Bei länger dauerndem Krankheitsverlauf sind allerdings unterstützende Maßnahmen erforderlich, um wieder arbeiten zu können (Arbeitsrehabilitation). Falls die Krankheit chronisch verläuft und zu Problemen im Alltag führt, kann es sein, dass nur stundenweise Tätigkeit unter stützenden Bedingungen (geschützte Beschäftigung) möglich ist.

In Österreich existieren zahlreiche Einrichtungen, die jenen, die unter Schizophrenie leiden, bei der beruflichen Wiedereingliederung helfen.

Bei der Rückkehr ins Arbeitsleben taucht manchmal das Problem auf, dass Arbeitgeber unsicher sind und nicht wissen, wie sie mit einem psychisch Kranken umgehen sollen. Zum Beispiel wissen sie oft nicht, welche Arbeit sie einem psychisch Kranken zumuten können. Die Einrichtungen der Arbeitsassistenz beraten bei derartigen Fragen auch potenzielle Arbeitgeber und Kollegen.

Welche der zahlreichen unterschiedlichen Einrichtungen und Hilfsangebote für den Einzelnen am besten geeignet sind, kann am besten mit jenen Mitarbeitern psychosozialer Einrichtungen besprochen werden, die den Kranken kennen.

Die Adressen von Einrichtungen, die bezüglich Arbeitsrehabilitation helfen, sind über psychosoziale Einrichtungen erhältlich.
 
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