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Ursachen der Schizophrenie

Wie bei vielen Erkrankungen ist es auch bei der Schizophrenie nicht möglich, eine einzelne Ursache zu identifizieren. Das Wissen um die Ursachen der Schizophrenie wird in einem sogenannten „Vulnerabilitäts-Stress-Modell“ zusammengefasst. Das bedeutet, dass Personen mit einer bestimmten Neigung (= Vulnerabilität) unter bestimmten Umständen (Stress) eine Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis entwickeln können. „Stress“ kann Unterschiedliches bedeuten, z.B. eine plötzliche schwere Belastung, aber auch eine Aneinanderreihung kleinerer alltäglicher Belastungen oder eine Kombination von Umständen, die im individuellen Fall Stress bedeuten (siehe Graphik). Denkt man über Ursachen nach, so ist es also sinnvoll, zwischen den Ursachen für die Vulnerabilität und den Ursachen für den Ausbruch der Erkrankung zu unterscheiden. Viel mehr Menschen, als jemals tatsächlich erkranken, haben eine Vulnerabilität, auf Basis derer sich Schizophrenie entwickeln kann. Eine solche Vulnerabilität kommt in manchen Familien gehäuft vor. Das ist einer von vielen Hinweisen darauf, dass genetische Faktoren als Ursachen der Schizophrenie eine Rolle spielen. Aber auch hier zeigt sich wieder, dass nicht ein einzelnes Gen verantwortlich ist, sondern dass es unterschiedliche Genkombinationen gibt, die eine Vulnerabilität bedingen können. Allerdings gibt es auch viele Fälle, in denen man keinerlei Hinweise auf genetische Belastung finden kann. Außerdem gibt es auch große Chancen, dass jemand mit einer Erkrankung oder Vulnerabilität diese nicht direkt weitervererbt.
Andere Faktoren können ebenfalls zu einer Vulnerabilität beitragen, allen voran Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen. Möglicherweise führen auch frühe Erkrankungen des Gehirns (z.B. Entzündungen) zu einer Vulnerabilität oder tragen dazu bei, dass bei einer bestehenden Vulnerabilität die Wahrscheinlichkeit eines Ausbruchs der Erkrankung steigt.

Ursprüngliche Annahmen über bestimmte familiäre Umgangsstile als Ursachen bestätigten sich nicht. Im Gegenteil, Familien können eine wesentliche unterstützende Rolle spielen, besonders im Hinblick auf die Vermeidung von Rückfällen.

Wesentliche Risikofaktoren sowohl für den Ausbruch der Erkrankung als auch für einen ungünstigen Verlauf spielen Drogen. Amphetamine, LSD und Kokain sind bekannte Auslöser von Psychosen. Wesentlich häufiger und genauso gefährlich ist der Gebrauch von Cannabis, der für viele Krankheitsausbrüche und Rückfälle verantwortlich ist. Dasselbe gilt für neuere Designer-Drogen.

Alle genannten Faktoren können zu einem Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn (Transmitter) führen.

Dass eine Erkrankung viele verschiedene Ursachen hat, bedeutet keineswegs, dass man sie nicht gut behandeln kann (siehe Behandlung). Bei der Schizophrenie wissen wir über viele Faktoren, die Symptomatik und Verlauf beeinflussen können, ausgezeichnet Bescheid und nutzen dieses Wissen auch erfolgreich in der Therapie.

Graphik: pdf Vulnerabilitäts-Stress-Modell

 
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