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"Trialog"

"Trialog" steht für die Begegnung von drei Gruppen von Menschen, die mit psychischen Problemen und mit der Psychiatrie zu tun haben: Betroffene, Angehörige und professionelle HelferInnen, wobei diese Begegnung unter speziellen Bedingungen stattfindet: außerhalb der Familie, außerhalb der psychiatrischen Institution, außerhalb der therapeutischen Situation. Zielsetzung des Trialog ist es, Erfahrungen mit dem Erleben von psychiatrischen Erkrankungen und deren Konsequenzen kommunizierbar zu machen. Informations- und Erfahrungsaustausch im Trialog sollen zu einem gleichberechtigten und partnerschaftlichen Diskussions- und Umgangsstil miteinander führen. Das ist eine Voraussetzung für eine zeitgemäße Verbesserung von Versorgung und Forschung zum Umgang mit Psychosen unter Einbeziehung der Betroffenen und ihrer Angehörigen.

Gegenseitiges Verständnis und die notwendige Abgrenzung der sehr unterschiedlichen Erfahrungs- und Wissenshintergründe der TeilnehmerInnen soll ermöglicht werden. Hören, Begreifen und Anerkennen unterschiedlichster Standpunkte und Erlebniswelten führen zur Erarbeitung einer gemeinsamen Sprache. Das bedeutet, dass eine Basis für die Entwicklung einer Diskussionskultur entsteht, wie sie für eine gleichberechtigte Auseinandersetzung nötig ist. Aus unterschiedlichen Forschungsrichtungen wird heute vorgeschlagen, dass für die Verbesserung von Versorgung und Forschung zum Umgang mit Psychosen die Einbeziehung der Betroffenen in Planung, Organisation und Praxis nötig ist . Die Teilnahme am "Trialog" ist die nötige "Fingerübung" für diese Entwicklung.

Vorbild für trialogische Initiativen waren die Hamburger Psychoseseminare. In Deutschland haben sich inzwischen über 100 Psychoseseminare entwickelt. Als Bezeichnungen kommen dabei auch "Austausch über Psychose" oder "Vom Dialog zum Trialog" vor. Zu einem ersten bundesweiten Erfahrungsaustausch war es im April 1996 in Bonn gekommen. Nach dem Treffen von 170 TeilnehmerInnen hat sich in Hamburg eine Arbeitsgruppe gebildet, die die bisherigen Erfahrungen ausgewertet und einen Leitfaden erarbeitet hat (Psychosoziale Arbeitshilfen 10: „Es ist normal, verschieden zu sein“ von Th. Bock, D. Buck, I. Esterer. Psychiatrie-Verlag. 2000). Viele Seminare waren durch den Weltkongress für soziale Psychiatrie in Hamburg 1994 angeregt, die meisten durch Initiativen von Psychoseerfahrenen und Angehörigen. Veranstaltungsorte sind u.a. Volkshochschulen, Hochschulen, Versammlungsräume von Kirchen, Selbsthilfezentren, Akademien, also Orte, die eher der Fortbildung als der Therapie dienen. Die Seminare finden zu fixen Zeitpunkten statt – wöchentlich bis monatlich – für etwa 2 Stunden. Moderiert wird oft von mehreren Personen aus den beteiligten Gruppen – Psychoseerfahrenen, Angehörigen und professionellen HelferInnen. StudentInnen, BürgerhelferInnen und andere Personen der interessierten Öffentlichkeit sind in einigen Fällen auch TeilnehmerInnen von Psychose-Seminaren. Als Motive für die Teilnahme an Psychose-Seminaren konnten herausgefunden werden:
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aktive Teilnahme, Veränderung der Verhältnisse (v.a. Psychoseerfahrene)
 o Reflexion, Erkenntnisgewinn (v.a. Profis)
 o Gemeinschaftserleben, Lernprozesse (v.a. Angehörige)

Die meisten Psychose-Seminare sind allen Interessierten zugänglich, werden durch Aushänge in Einrichtungen, Hinweise in Vorlesungsverzeichnissen und Selbsthilfe- und Fachpublikationen angekündigt. Manche beschränken die TeilnehmerInnenzahl, andere haben bis zu hundert TeilnehmerInnen.

Die Themen werden durch zwei Grundfragen bestimmt:

  1. Wie sind Psychosen umfassend und eben nicht nur medizinisch zu verstehen?
  2. Was brauchen Menschen in Psychosen, und was brauchen Angehörige und professionelle HelferInnen, um zu einer offenen und ehrlichen Begegnung und Auseinandersetzung in der Lage zu sein?

Beispiele für diskutierte Themen sind:

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Was hilft in einer Psychose?
 o Haben Psychosen einen Sinn?
 o Wie sollte ein Psychose-Therapeut sein?
 o Was ist Normalität? Was Krankheit?
 o Welche Erfahrungen gibt es mit Medikamenten?
 o Wie beginnt und wie endet eine Psychose?
 o In welchem Spannungsfeld stehen Profis, und wie gehen sie damit um?
 o Welche Funktion hat die Psychose in der Familie?
 o Was ist das Vulnerabilitäts-Stress-Modell?
 o Welche Erfahrungen gibt es mit der Balance von Nähe und Distanz bei Psychose-Erfahrenen und Angehörigen?

In Wien trifft sich der Trialog jeden 2. und 4. Montag im Monat in der VHS Stöbergasse 11-15 im 5. Wiener Gemeindebezirk.

 
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